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Fünfzig …und jetzt?

Und plötzlich ist man fünfzig!

Natürlich ist man sich als Fünfzigjährige(r) intellektuell bewusst, dass man sich schon ein gutes Stück weit in der statistischen zweiten Lebenshälfte befindet. Und man darf sich selbstverständlich freuen, dass man es überhaupt bis hierher geschafft hat. Aber die Menge der Lebensjahre, die man tatsächlich schon gesammelt hat, wird einem manchmal erst richtig vor Augen geführt, wenn man „von früher“ erzählt. Zum Beispiel fragen Tochter oder Sohn, Nichte oder Neffe, wie denn das so war, damals als junger Erwachsener. Wenn dann die Frage im Raum steht „Und wann war das genau?“, dann beginnt man zu rechnen. „Das war vor dreissig Jahren…“. Dreissig Jahre… und da war man bereits über zwanzig Jahre alt!

Fühlt man sich denn jetzt tatsächlich älter als, sagen wir, dreissig?

Die Gesellschaft und das Umfeld erwarten ja auch von einem, dass man immer noch mindestens genauso gut funktioniert, wie damals mit dreissig. Man hat vielleicht jetzt sogar noch mehr energieraubende Verpflichtungen als zuvor. Noch dazu scheint sich die Zeitspirale immer schneller zu drehen und man dreht sich einfach mit. Andererseits hat sich der persönliche Energieaufwand für Ausschweifungen wie zum Beispiel das Partyleben inzwischen merklich reduziert. Wenn man sich mit vierzig vielleicht noch vorgenommen hatte, dass jetzt der gute und befriedigende Teil des Lebens beginnt und man sich die eine oder andere Extravaganz gegönnt hat, so realisiert man um die fünfzig, dass man ganz klar am Übergang in einen komplett neuen Lebensabschnitt steht – ob man will oder nicht.

Ein Thema, das die meisten in diesem Lebensabschnitt bewegt, ist die Frage nach der Sinnhaftigkeit des eigenen Daseins. Bewusst oder unbewusst blickt man zurück auf das Vergangene, richtet dann den Blick nach vorn in die Zukunft und fragt sich „Wo führt das hin und wozu? Lebe ich das Leben, das ich wirklich will?“

 

Im Innen wie im Aussen

Auch wenn unsere Gesellschaft heute das Älterwerden mit vielen negativen Attributen versieht, so ist es doch die eigene innere Einstellung, welche das äussere Umfeld, die Reaktionen und Interaktionen bestimmt. Ein Übergang bedeutet immer Bewegung, Veränderung, Wandel, Altes loslassen und Neues empfangen, im Positiven wie im Negativen. Man macht neue Erfahrungen, verändert sich und im Idealfall entwickelt sich die eigene Persönlichkeit weiter.

Dieser neue Lebensabschnitt kann viel Gutes verheissen. Man hat schon einiges erlebt und vieles erreicht, auf das man mit Stolz und Befriedigung zurückblicken kann. Zum Beispiel sind die Kinder flügge geworden und können nun auf eigenen Beinen stehen, oder man ist im Beruf erfolgreich oder hat in der Gesellschaft eine respektierte Stellung, usw. Für die Frau geht zwar die fruchtbare Phase zu Ende, jedoch freuen sich doch viele Frauen darauf, dass Empfängnisverhütung nun überflüssig wird. Als Fünfzigjähriger muss man sich nicht mehr dem omnipräsenten Jugendwahn unterwerfen, was andererseits nicht heissen muss, dass man sich einfach gehen lässt. Vielleicht verwendet man jetzt mehr Zeit darauf, tiefer gehende Freundschaften zu knüpfen und zu pflegen, und vielleicht ist auch das Bedürfnis danach grösser. Vielleicht entdeckt man sogar ganz neue Bedürfnisse und Leidenschaften wie zum Beispiel Kunst, Musik, Kultur, Reisen oder Wissensvermehrung. Man hat nun die Reife und Erfahrung – auch in Bezug auf sich selbst – um nochmals neue Ziele zu stecken und um herauszufinden, was man eigentlich will und braucht. So gesehen kann dieses Alter auch als ein Teil der „mittleren Lebensphase“ betrachtet werden, in der noch so vieles möglich ist und man noch vieles einfordern kann. Doch statt mit der ungestümen Energie der Jugend vorzupreschen, darf man sich nun einer neuen Gelassenheit und Weisheit bedienen, um sich den neuen Zielen und Aufgaben zuzuwenden.

 

Körperliche Aspekte

Ab fünfzig lassen sich die körperlichen Veränderungen nicht mehr leugnen. Ein bewusster Umgang damit wird jedoch mit besserer Lebensqualität belohnt. Die körperlichen Veränderungen haben zudem einen Einfluss auf unser seelisches Befinden. Es lohnt sich also in doppelter Hinsicht, sich der anstehenden Themen anzunehmen. Im folgenden eine Auswahl.

Reduzierte Muskelmasse und Abbau der Knochendichte

Mit zunehmendem Alter beginnt sich bei Männern wie bei Frauen die Muskelmasse des Körpers merklich zu reduzieren, weshalb Ernährung, Bewegung und Sport an Bedeutung gewinnen. Diese sind auch für die Erhaltung der Knochendichte, welche besonders bei Frauen in der Menopause stark abnehmen kann, wichtig.

Weniger Muskelmasse bedeutet auch weniger Grundumsatz im Stoffwechsel, weshalb viele Menschen in der mittleren Lebensphase zunehmen. Auch der Stoffwechsel selbst verändert sich, was wiederum das Entstehen von Übergewicht begünstigen kann. Dem kann jedoch mit einer gesunden, angepassten Ernährung entgegen gewirkt werden. Sollte das Übergewicht bereits angesetzt haben, kann eine gute Ernährungsberatung auch in dieser Lebensphase nachweislich wieder zum Wohlfühlgewicht verhelfen. Das gilt auch für Gewichtsveränderungen, welche durch hormonelle Veränderungen während der Wechseljahre auftreten.

Neuer Kräftehaushalt

Wo man früher noch endlos „powern“ konnte und nach einem langen und anstrengenden Arbeitstag immer noch unbegrenzte körperliche und psychische Ressourcen für andere Aktivitäten zur Verfügung hatte, kann es durchaus sein, dass man jetzt Grenzen zu spüren beginnt und mit den eigenen Kräften besser haushalten muss. Es gilt, die neue Gelassenheit zu entdecken und bewusst Ruhephasen einzuplanen, um nicht in einen körperlichen oder psychischen Erschöpfungzustand zu geraten.

Auch hier sind Faktoren wie Ernährung einschliesslicher einer guten Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen, Bewegung an der frischen Luft, sowie gesunder Schlaf massgebend. Entspannungstechniken wie das Autogene Training können helfen, die Stressresilienz zu erhöhen und Entspannungsphasen besser zu nutzen.

Veränderter Schlaf

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Schlafarchitektur. Vor allem die Tiefschlafphasen, in denen die grösste Erholung stattfindet, werden weniger. Schlafmangel ist eine nicht zu unterschätzende Belastung und auch ein Risiko. Wenn Schlafmangel oder schlechte Schlafqualität zum Thema werden sollten, dann gibt es eine ganze Palette an Massnahmen, die zu besserem Schlaf und somit zu besserer Erholung im körperlichen wie im seelischen Sinn beitragen können.

Veränderungen im Verdauungstrakt

Der Magen produziert mit der Zeit weniger Magensäure, weshalb gewisse Nahrungsmittel schlechter verdaut werden können. Es kann also sein, dass sich die Ernährungsweise verändert und Enzyme aus der Nahrung sowie saure Nahrungsmittel an Bedeutung gewinnen.

Das Makrobiom im Darm („Darmflora“) verändert sich. Der Darm ist das Zuhause eines grossen Anteils unseres Immunsystems. Zudem verfügt er über ein eigenständiges Nervengeflecht, das „enterale Nervensystem“, das Informationen seiner Sensoren selbst bearbeiten und kontrollieren kann. Es enthält sympathische und parasympathische Nervenfasern, ist also an unserer Stressreaktion beteiligt. Das Makrobiom hat nicht nur Verdauungsaufgaben, sondern synthetisiert lebenswichtige Stoffe wie B-Vitamine, Folsäure und Vitamin K. Fast 75% des Botenstoffes Serotonin werden im Darm gebildet – ein stimmungsaufhellender Neurotransmitter, der auch schlaffördernde, antidepressive, schmerzhemmende und motivationsfördernde Wirkung hat. Der Darm kommuniziert über die sogenannte „Mikrobiom-Darm-Gehirn-Achse“ mit unserem Gehirn.

Veränderung im Makrobiom haben also Auswirkungen auf Verdauung, Immunsystem, Nervenkostüm und Psyche. Probleme im Darm erzeugen oft auch auf unserer Haut Symptome (z.B. Falten, trockene Stellen, fahle Farbe, Quaddeln, Akne, lokale Entzündungsherde, Dermatosen, Schwellungen). Sind Makrobiom oder Darmwand geschwächt, zum Beispiel aufgrund von andauerndem Stress, einer Krankheit oder durch Medikamenteneinnahme, gibt es wirksame Methoden, um den Darm wieder fit zu machen.

Sichtbare Alterserscheinungen

Natürlich möchte man nicht älter aussehen, als man ist. Körperpflege, gute Ernährung, Bewegung, Stressmanagement, Selbstverwirklichung und vielleicht sogar eine Entscheidung zum Glücklichsein haben eine positive Wirkung im Innen wie im Aussen. Bei einem Blick in den Spiegel kann man sich fragen „Wer möchte ich sein?“ oder „Wie möchte ich wahrgenommen werden?“. Vielleicht entdeckt man sogar ein Vorbild im eigenen Umfeld oder im öffentlichen Leben, an dem man sich in puncto Älterwerden orientieren möchte.

Wechseljahre der Frau

Die Wechseljahre der Frau sind ein eigenes und sehr umfangreiches Thema, über das schon sehr viel gesprochen und geschrieben wurde und zu dem viele Annahmen, Weisheiten, aber auch Erkenntnisse existieren. Und doch erlebt jede Frau diese Zeit anders. Bei Problemen gibt es auch hier eine enorm breite Palette an Behandlungsmöglichkeiten, die auf körperlicher und seelischer Ebene ansetzen. Es lohnt sich, sich bei Bedarf zu informieren.

 

Entwicklungsschritte – mehr oder weniger freiwillig

Natürlich bedeutet Veränderung immer auch Herausforderung und ein persönlicher Entwicklungsschritt kann anspornen aber auch schmerzlich sein. Die Lebensmitte, wie die anderen Lebensphasen auch, hat ihre eigenen Herausforderungen. Nebst den persönlichen körperlichen und seelischen Veränderungen, kann sich auch die Situation von anderen Menschen im eigenen Umfeld verändern. Es kann sein, dass die Eltern pflegebedürftig werden, was eine enorme Herausforderung darstellen kann. Zu sehen, wie die eigenen Eltern alt werden, konfrontiert uns spätestens jetzt mit der Sterblichkeit, auch mit der eigenen. Vielleicht hat man selbst oder der Partner / die Partnerin mit einer Krankheit zu kämpfen, oder vielleicht hat eines der Kinder seinen Weg doch noch nicht gefunden und braucht erneut Unterstützung und Verständnis. Trennungen vom Lebens(abschnitts)partner oder Scheidungen sind in dieser Lebensphase auch nicht selten, da es gerade jetzt um Neuorientierung, um Sinnfindung und Selbstverwirklichung geht. All dies sind Veränderungen, die von uns einen persönlichen Entwicklungsschritt einfordern. Manchmal kommt man zurecht, manchmal ist man dankbar um Hilfe, um den Weg gehen zu können.

 

In der Lebensmitte

(Der folgende Text ist entnommen aus: „Gestern jung und morgen schön“ von Dr. Mimi Szyper und Dr. Catherine Markstein, 1. Auflage 2010)

Die Jahre um unseren fünfzigsten Geburtstag sind eine Zeit der Initiation, in der wir uns verändern und verwandeln. Es ist eine Zeit, die wir mit der vollen Kraft unseres Alters erleben können, mit neugieriger Freude und voller Zuneigung für den gegenwärtigen Augenblick, für das, was ist. Eine Zeit, in der wir uns bewusst machen können, was bisher war und nicht mehr sein wird, was wir gegeben und was wir uns zurückgenommen haben, was wir erreicht haben und was uns nicht gelungen ist. Es ist eine Zeit, die wir uns nehmen können, um das Leben in vollen Zügen zu leben, voller Leidenschaft und Geduld, Zärtlichkeit und Humor.

Wir wissen um die Vergänglichkeit aller Dinge, um Leid und Angst, Ungerechtigkeit und Grausamkeit, uns ist klar, dass die Zeit vergeht. Aber wir wissen auch, was wir noch tun wollen, was wir endlich sein wollen, und wir sind uns sicher, dass es jetzt darum geht, dass wir auf unsere Inspiration hören, dass wir unsere Wünsche ernst nehmen und unsere vielleicht lange verschütteten Träume wiederentdecken oder neu erfinden.