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Einfach mal reden…

Vertrauen und sich trauen.

Was kann das therapeutische Gespräch, was regelmässige Gespräche mit meinem besten Freund oder meiner besten Freundin nicht können?

„Manchmal wäre es so wohltuend, einfach nur mal ganz offen mit jemandem reden zu können…“

Kennen Sie diesen Gedanken?

Vielleicht möchten Sie sogar mehr, als nur ein befreiendes Gespräch. Vielleicht möchten Sie aus einer unglücklichen und belastenden Situation herausfinden. Wenn also dieser Jemand sogar in der Lage wäre, Ihnen hilfreiche Wege zur Problemlösung, zur Entspannung und zum Aufbau eines positiven Selbstbildes und Lebenskonzeptes zu vermitteln, dann wäre das doch ein echter Lichtblick und bestimmt auch eine merkliche Verbesserung Ihrer Lebensqualität.

Und da sind wir bei der psychologischen Beratung oder auch dem Coaching. Psychologische Beratung wie auch Coaching können als eine Form von Psychotherapie angesehen werden, bei welcher der Fokus auf der Lösungsfindung und Zielerreichung liegt, also nach vorne gerichtet ist. Oft wird in diesen Bereichen erfolgreich mit kognitiven Therapiemethoden gearbeitet, welche im „Hier und Jetzt“ ansetzen und mit der eigenen Wahrnehmung, Interpretation und daraus resultierendem Verhalten arbeiten. Das Verständnis für die Entstehung der eigenen Verhaltensweisen kann durchaus Bestandteil sein, spielt aber eine eher untergeordnete Rolle. Im Unterschied dazu konzentriert sich die Tiefenpsychologie (Stichwort Sigmund Freud) auf die Auslotung und Aufarbeitung von Auslösern in der Vergangenheit, fordert also dazu auf, die Vergangenheit zu analysieren (Fokus rückwärts), um die aktuelle Situation verstehen und bearbeiten zu können. Dies kann bedeuten, dass ein in der Vergangenheit erlebtes Trauma im Geist erneut durchlebt werden muss.

Bei einer psychologischen Beratung steht das einfühlsame, beratende Gespräch im Vordergrund, ohne jedoch Struktur und Zielausrichtung zu vernachlässigen. Es wird Raum geboten, um sich zu sammeln, das Unterbewusstsein sprechen zu lassen und zu Erkenntnissen über sich selbst zu gelangen. Das Coaching ist der vielleicht pragmatischere Ansatz, der – je nach Methode oder Ausprägung – auch leistungsorientiert sein kann. Das Unterbewusstsein wird zielgerichtet beeinflusst.

 

Helfen ja, aber…

Die psychologische Beratung wie auch das Coaching gehen davon aus, dass jeder Mensch seine Umwelt und seine Rolle darin individuell wahrnimmt und interpretiert und dass seine Reaktionen auf bestimmte Lebenssituationen sowie sein Verhalten deshalb auch veränderbar sind. Der Schlüssel zur Lösung von Problemen liegt also im Klienten selbst. Berater wie auch Coach haben deshalb gelernt, dem Impuls zu widerstehen, „es für den Schützling in Ordnung bringen zu wollen“. Dies ist mitunter einer der wichtigsten Unterschiede zum Gespräch mit dem Freund oder der Freundin. Gutgemeinte Ratschläge, die Erfahrungen und Erkenntnisse eines Freundes, der in einer ähnlichen Situationen gesteckt hatte, der unwiderstehliche Drang, zu helfen – all das sind sehr löbliche Bemühungen, die den Betroffenen aber oft um eine wichtige Erfahrung bringen. Sie halten ihn nämlich davon ab, selbst „den Weg zu gehen“ und die für ihn richtige Lösung zu erkennen.

 

Es ist erlaubt, sich Hilfe zu suchen

Leider sind heutzutage die psychologische Beratung wie auch das Coaching immer noch mit einem Stigma behaftet. „Ich habe mir Hilfe geholt“ oder gar „Ich bin in Therapie“ sagt man meist nur hinter vorgehaltener Hand. Was in vielen anderen Ländern schon eine Selbstverständlichkeit ist (und manchmal sogar ein Statussymbol), ist bei uns unbegründeterweise immer noch mit einem Makel behaftet. Sehr oft liegt dem ein Unverständnis zugrunde: Menschen mit einer Diagnose im Bereich der Psyche werden von Psychotherapeuten therapiert oder von Psychiatern behandelt, wobei auch Medikamente zum Einsatz kommen können. Dies trifft auch auf Menschen zu, die sich in einer akuten Krise befinden, in der das tägliche Leben zusammenbricht, sich eventuell Suizidgedanken aufdrängen und in der eine sofortige medizinische oder therapeutische Intervention nötig ist. Wenn Sie jedoch nicht psychisch krank sind, ihnen aber die Situation oder der Lebensabschnitt, in der/dem sie gerade stecken, über den Kopf wächst, dann dürfen Sie sich jederzeit Hilfe bei einem Berater oder Coach holen. Warum auch nicht? Wenn der verspannte Rücken schmerzt, uns einschränkt und uns die Kraft raubt, dann gehen wir ja auch zur Massage.

Eine Beratung oder ein Coaching müssen zum Beispiel auch nicht mit dem Arbeitgeber diskutiert werden. Sie entscheiden, mit wem Sie darüber reden und mit wem nicht. Als psychologische Beraterin bin ich ebenso an die Schweigepflicht gebunden, wie ein Arzt.

Das wichtigste Werkzeug bei der psychologischen Beratung und beim Coaching ist das vertrauensvolle Gespräch zwischen dem Klienten und dem Berater oder Coach. Jedes Gespräch soll zu Erkenntnissen führen und den Klienten dazu anleiten, Situationen neu zu erfahren und sich neue Verhaltensmuster anzueignen. Das Ziel ist die Verbesserung Ihrer Lebensqualität und das Ausräumen von Hindernissen, welche Sie davon abhalten, Ihr Potential voll auszuschöpfen.

 

Die gute Nachricht: Es wirkt

Eine ganze Anzahl anerkannter wissenschaftlicher Studien (u.a. von der University of California, San Francisco) belegen die Wirksamkeit von Gesprächstherapie, wobei die gewählte Therapiemethode eine eher untergeordnete Rolle spielt. Im Vergleich zur Behandlung von psychischen Störungen und psychosomatischen Beschwerden mit Medikamenten schneidet die Gesprächstherapie im Langzeitresultat sogar signifikant besser ab. Interessanterweise trifft dies auch ganz besonders auf die Behandlung von Essstörungen wie zum Beispiel Anorexia Nervosa zu.

Es lohnt sich also, den ersten Schritt zu wagen. Ist der erste Gesprächstermin einmal vereinbart, sind die positiven Veränderungen bereits angestossen.


> Ein Bericht von Frau P. zum Thema Beratung und Coaching