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Östrogendominanz durch die ‚Pille‘?

Immer mehr Patientinnen melden sich zu Wort, die über massive gesundheitliche Probleme aufgrund der langfristigen Einnahme der ‚Pille‘ klagen. Diese hormonellen Mittel zur Empfängnisverhütung (orale Kontrazeptiva) sind schon lange dafür bekannt, in ganz seltenen Einzelfällen zu massiven Nebenwirkungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Venenthrombose oder Lungenembolien geführt zu haben, die wiederum vereinzelt zu schwerer Invalidität führten. Die ersten heftigen Symptome zeigten sich in diesen Fällen jeweils bereits kurz nach Beginn der Einnahme des Medikaments. Und wie es scheint, werden Patientinnen genau mit diesem Argument durch Ärzte und Industrie beruhigt und abgelenkt, wenn sie einen Zusammenhang zwischen Symptomen, die erst nach Jahren auftreten, und der Einnahme der Pille herstellen.

 

Bekannte und verkannte Nebenwirkungen

Hinlänglich bekannte, aber weitaus weniger dramatische mögliche Nebenwirkungen der Pille sind Stimmungsschwankungen, Übergewicht und eine generelle Erhöhung des Thromboserisikos. Doch scheint die Pille auch positive Nebenwirkungen zu haben, wie zum Beispiel eine Verbesserung des Hautbildes, weshalb sie inzwischen auch zur Behandlung von Akne eingesetzt wird. Auch bei der Behandlung von verschiedenen Beschwerden rund um die Menstruation (PMS, Dysmenorrhö, Meno-/Metrorrhagie, etc.) oder auch bei PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom) verzeichnet die Pille grosse Erfolge – ob das darunterliegende Problem damit nun behoben wird oder nicht.

 

Ein verbreitetes Lifestyle-Produkt mit Risiken

Mittlerweile kommen wir in den Genuss der 4. Generation der ‚Pille‘ (Stand 2018) und gerade diese Generation erweist sich als noch risikoreicher in Bezug auf Thrombosen als ihre Vorgänger. Dafür scheint bei ihrer Entwicklung besonderes Augenmerk auf die positiven Nebenwirkungen gelegt worden zu sein, weshalb sie nicht nur die bequeme Empfängnisverhütung ermöglicht, sondern mit Hinweis auf die Vielzahl verschiedener Produkte auch gezielt als Lifestyle-Produkt und für den Einsatz zu Schönheitszwecken beworben und verkauft wird. Speziell für Patientinnen mit Übergewichtsthema sind nun auch Produkte erhältlich, die diesem Umstand Rechnung tragen. Schade nur, dass die Pille offensichtlich immer noch auf gut Glück verschrieben wird und nur die wenigsten Ärzte vorher eine DNA-Analyse(1) durchführen lassen, um das passendste Produkt zu bestimmen und namentlich das Thromboserisiko zu reduzieren. Zudem gilt es zu bedenken, dass nicht nur Übergewicht und Rauchen das Risiko zusätzlich erhöhen, sondern auch ein Alter über 40.

 

Überlegungen zur Wirkungsweise von hormonellen Verhütungsmitteln

Bevor sich Frau für die Pille entscheidet, darf sie sich durchaus Gedanken über die Wirkungsweise machen: Mit diesem Medikament wird über Jahre hinweg der körpereigene Hormonhaushalt durch Gaben hoher Dosen synthetischer Hormone (Östrogen, Gestagen) übersteuert. Beginnt Frau beispielsweise im 16. Lebensjahr mit der Einnahme der Pille und beendet die Einnahme, wie es von den Ärzten in der Regel vorgeschlagen wird, um das 50. Lebensjahr, wird somit über einen Zeitraum von rund 34 Jahren der körpereigene Östrogen- und Progesteronhaushalt komplett ignoriert, um den Menstruationszyklus von aussen kontrollieren zu können. Es ist nicht abwegig anzunehmen, dass der Körper in dieser Zeit irgendwie versucht, Östrogen und Progesteron trotzdem auszubalancieren, während stetig neue synthetische Hormone zugeführt werden.

Nach 34 Jahren setzt Frau also die Pille wieder ab und erwartet nun, dass sich der körpereigene Hormonhaushalt von einem Tag auf den anderen wieder von selbst reguliert. Ganz abgesehen davon, dass die Wechseljahre nun ebenfalls bereits im Spiel sind. Da ist es nicht verwunderlich, wenn die Menopause zum Höllenritt wird und manch eine Frau sogar ihre Gebärmutter hergibt, im Tausch gegen zurückerlangte Lebensqualität und in der bangen Hoffnung, dass weder die risikoreiche Operation noch das Kappen der Blutversorgung zu den verbleibenden hormonproduzierenden Eierstöcken zu weiteren gesundheitlichen Problemen führen.

 

Was die Folgen sein können

Glücklicherweise ergeht es nicht allen langjährigen Pillenkonsumentinnen so. Viele haben nach dem Absetzen der Pille keine Probleme. Es scheint jedoch, als sei die Dunkelziffer derer hoch, die doch relevante gesundheitliche Einbussen haben, diese jedoch gar nicht mit der Einnahme der Pille in Verbindung bringen. Unser Hormonsystem ist hoch komplex und steuert physiologische Vorgänge, die nicht nur das Funktionieren von Organen betreffen, sondern unter anderem auch Auswirkungen auf Stoffwechsel und Nervensystem haben. Sie beeinflussen sogar unseren Gemütszustand in gerade diesem Moment. Wenn das Hormonsystem – aus welchen Gründen auch immer – nicht richtig funktioniert, bleibt dies nicht ohne Folgen. Aus meiner persönlichen Erfahrung sind mir eine ganze Anzahl massiver Beschwerden und Funktionsstörungen bekannt, die aus physiologischen Überlegungen heraus durchaus auf die langfristige Einnahme der Pille und/oder das anschliessende Absetzen zurückzuführen sein könnten. Das Hinzuziehen von Fachliteratur und Informationen von Betroffenenvereinigungen lassen die Liste möglicher Symptome noch weiter anwachsen:

  • Östrogendominanz(2); diese kann die Ursache vieler der nachfolgenden Symptome sein
  • Menstruationsstörungen wie Metrorrhagie, Menorrhagie, Hypermenorrhoe, Dysmenorrhoe (sehr starke Blutungen, Dauerblutungen, Zwischenblutungen, etc.)
  • Brustspannen (Mastopathie), Brustknoten
  • Libidoverlust (aufgrund der Hormonsituation oder als Folge der o.g. Beschwerden)
  • Kopfschmerzen, Migräne mit Kopfschmerz, Kopfschmerzen bei körperlichen Belastungen (z.B. Sport)
  • Migräne mit Aura (zeitlich begrenzt: Augenflimmern, Sprachstörungen und -ausfälle, Einschränkung des Denkvermögens, Gedächtnisausfälle, Kribbeln in Armen und/oder Beinen, Lähmungserscheinungen)
  • wiederkehrende Schwindelanfälle
  • Tinnitus, Ohrensausen
  • Hautkribbeln, ‚Ameisenlaufen‘
  • plötzliche starke Gewichtszunahme, Bildung von Bauchfett
  • Schilddrüsenunterfunktion/Hypothyreose, Blutzuckerschwankungen, Antriebslosigkeit
  • Venenschwäche, Hämorrhoiden (intern oder extern), Besenreiser (auf der Haut sicht- und tastbare, schwache Blutgefässe vorwiegend an den Beinen)
  • anhaltende Verstopfung
  • Stimmungsschwankungen, Weinerlichkeit ohne erkennbaren Auslöser
  • Reizbarkeit, reduzierte Stressresilienz
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Oedeme (Wassereinlagerungen im Gewebe; aufgeschwollene Füsse, aufgedunsenes Gesicht, geschwollene Hände)
  • Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Haarausfall, Bartwuchs, Hirsutismus
  • Hautausschläge
  • Osteopenie, Osteoporose (Abbau der Knochemasse, Knochenschwund)

Siehe auch Beitrag „Kennen Sie Ihren Stoffwechseltyp?“

Da viele Symptome durch ein Ungleichgewicht zwischen Östrogen und Progesteron hervorgerufen werden, überrascht es nicht, dass sie den möglichen Beschwerden in der Menopause entsprechen.

 

Gestagene, Progesteron

Wie es scheint, birgt nicht nur das Östrogen in hormonellen Verhütungsmitteln Gefahren. Die eingesetzten Gestagene (synthetisches Progesteron) scheinen ebenfalls aufgrund ihrer Unterschiede zum körpereigenen Progesteron bei langfristiger Anwendung zu ernsten unerwünschten Nebenwirkungen führen zu können. Gestagene bilden übrigens auch Teil der kombinierten Hormonersatztherapie, wie sie zur Behandlung von Beschwerden während der Menopause und zur Osteoporose-Prävention eingesetzt wird. Für diese Anwendung liegen inzwischen Studien vor, die auf ein erhöhtes Krebsrisiko bei langfristiger Anwendung oder hoher Dosis von Gestagenen hinweisen (Anwendung oral oder transdermal).

Eine Möglichkeit, die Ärzten heute für die kombinierte Hormonersatztherapie oder zur Behandlung einer Östrogendominanz zur Verfügung steht, ist humanidentisches Progesteron(3), welches bedeutend weniger Nebenwirkungen zu haben scheint.

 

Wohin sich Betroffene wenden können

Sollten Sie vermuten, aufgrund langfristiger Pilleneinnahme von Störungen im Östrogen/Progesteron-Haushalt betroffen zu sein, ist Ihre erste Anlaufstelle Ihr Gynäkologe. Aufgrund der Komplexität des Hormonsystems und seinen Funktionen wie auch infolge des steigenden Bedarfs gibt es auch in der Schweiz inzwischen endokrinologische Praxen, die sich auf dieses und verwandte Themen spezialisiert haben und Ihnen ebenfalls wertvolle Unterstützung bieten können.


(1) Seit längerem sind entsprechende DNA-Tests sogar in der Apotheke erhältlich, welche die sogenannte Faktor-V-Leiden-Mutation identifizieren, die das Thromboserisiko bei Einnahme der Pille um ein Vielfaches erhöht. Trägerinnen dieser Genmutation können unter Umständen auf Präparate ausweichen, die kein zusätzliches Östrogen enthalten.

(2) Wenn Beschwerden oder funktionelle Störungen auf eine Östrogendominanz zurückzuführen sind, dann ist die Gabe von zusätzlichem Östrogen, wie es in der herkömmlichen Hormonersatztherapie üblich ist, kontraproduktiv.

(3) Humanidentisches Progesteron wird auch als naturidentisches Progesteron bezeichnet. Dieses wird in chemischen Prozessen aus Pflanzen gewonnen und mikronisiert (äusserst fein vermahlen) und kann oral oder transdermal dem Körper zugeführt werden. Die transdermale Aufnahme, also die Aufnahme über die Haut, vermeidet unerwünschte Veränderungen des Hormons durch den Leberstoffwechsel.