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Weshalb ein warmes Bad nicht gegen Stress hilft

Stress am Arbeitsplatz, Stress in der Beziehung, Stress mit der Familie, Stress durch Krankheit… Die Quellen von negativem Stress sind vielfältig, die Auswirkungen oft vergleichbar. Am Ende eines langen Tages können wir uns ausgelaugt, überlastet, frustriert und – eben – gestresst fühlen. „Mach doch mal Pause und entspann‘ dich!“ lautet da oft der gut gemeinte Rat von Menschen, die uns nahe stehen.

Wenn uns bewusst wird, dass wir uns regelmässig total „gestresst“ fühlen, nehmen wir uns also vor, mehr Entspannung in unserem Alltag einzubauen. Wir planen zum Beispiel, nach einem anstrengenden Tag im Büro abends ein warmes Bad zu nehmen, vielleicht dazu etwas ruhige Musik zu hören und ganz entspannt den eigenen Gedanken nachzuhängen. Wir planen das am Morgen, bevor wir ins Büro gehen und während wir noch frisch sind. Der Gedanke daran fühlt sich gut an, allein die Vorstellung von einem entspannenden Bad zaubert ein Lächeln ins Gesicht.

Wir fahren also ins Büro und unsere Erwartungen werden erfüllt. Es wird ein anstrengender Tag, der Chef nervt, nichts funktioniert, wir machen sogar Überstunden. Am Abend sind wir gestresst, der Geduldsfaden ist enorm kurz und die Heimfahrt durch den Berufsverkehr trägt noch weniger zur Stimmungsaufhellung bei. Zuhause angekommen erinnern wir uns an den guten Vorsatz vom Morgen: das Entspannungsbad. Und dann kommt’s: „Das Allerletzte, was ich jetzt will, ist mich in eine enge Badewanne zu legen, die dröge Wand anzustarren und dazu womöglich noch irgendwelche dusselige Meditationsmusik zu hören!“ Am liebsten würden wir uns aufs Sofa legen, den Fernseher einschalten, einen der vielen TV-„No-Brainer“ über uns hereinrieseln lassen und, ganz besonders, mit niemandem sprechen.

Woher kommt das bloss? Am Morgen hat sich die Vorstellung vom Entspannungsbad doch noch so richtig angefühlt!? Hierfür gibt es eine physiologische Erklärung. Wenn wir langfristig unter Stress stehen, verändert sich unser Hormonhaushalt. Anstelle der Hormone, die bei kurzfristigem, positivem Stress für eine Leistungssteigerung sorgen, dominieren nun die Hormone, die unseren Körper auf langfristigen Stress einstellen. Eines davon ist Cortisol. Wenn wir immer wieder und über einen längeren Zeitraum unter belastender Anspannung stehen, steigt der Cortisolspiegel im Körper an und bleibt ständig hoch, denn Cortisol hat eine bestimmte Eigenschaft: es kann nur mittels körperlicher Anstrengung (Muskelarbeit) innert kurzer Frist abgebaut werden. Wenn wir uns also ins warme Bad legen, bleibt der Cortisolspiegel unverändert hoch und wir sind nach wie vor „voll gestresst“.

Wenn die stressauslösenden Faktoren, die sogenannten Stressoren, nicht ausgeschaltet werden können, ist das geeignete Gegenmittel also Bewegung. Am effizientesten ist es, regelmässig etwas Sport im Alltag einzubauen. Hier ist kein Leistungssport gemeint, sondern regelmässige angemessene Bewegung. Nebst vielen weiteren positiven Aspekten hilft die körperliche Betätigung also auch, das „Stress-Hormon“ Cortisol im Körper abzubauen, damit wir aus dem Alarmzustand wieder in den ruhigen Normalzustand gelangen können. Und dann kann das warme Bad tatsächlich seine wohltuende Wirkung entfalten.

Die wirkungsvollsten Massnahmen gegen negativen Dauerstress und seine Folgen sind:

  • Angemessen Sport treiben zur Vorbeugung, aber auch als Akutmassnahme.
    Bei hohem Blutspiegel Cortisolabbau durch Muskelarbeit. Vorbeugend zur Stärkung und Balance von Körper und Psyche.
  • Reduzierung von negativem Stress.
    Änderung der belastenden Situation(en) soweit möglich.
  • Erhöhung der Stressresilienz (Widerstandskraft gegen Stress).
    Zum Beispiel durch Autogenes Training. Veränderung des Umgangs mit Stress.
  • Optimierung und qualitative Verbesserung der Ernährung.
    Umstellung auf eine ausgewogene, hochwertige und dem eigenen Stoffwechsel entsprechenden Ernährung. Optimierung der Ernährungsumstände.

Die negativen Auswirkungen von Dauerstress auf Körper und Psyche werden oft unterschätzt und meist auch erst spät erkannt. Mögliche Folgen reichen von Schlafstörungen über Bluthochdruck, Migräne, diffuse oder konkrete Schmerzen, nervöse Zustände und Konzentrationsstörungen bis hin zu Stoffwechselstörungen, Insulinresistenz und Adipositas, Nebennierenermüdung, Beeinträchtigung der Schilddrüsenfunktion, geschwächtem Immunsystem, Störungen im Bereich der Sexualhormone, uvm. „Burn-Out“ ist ein weiterer Begriff, der inzwischen in aller Munde ist und seit neustem durch das „Bore-Out“ komplementiert wird, das zwar aus einer andauernden Unterforderung resultieren kann, jedoch gleichermassen Frustration und Stress erzeugt.

Eine guter Umgang mit Stress ist also auch eine Investition in die Gesundheit und natürlich in die eigene Lebensqualität. Sollten Sie feststellen, dass Ihnen der Stress über den Kopf zu wachsen droht, warten Sie nicht bis zum Burn-Out. Eine psychologische Beratung oder ein Coaching können hier äusserst hilfreich sein.


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